Zauberpflanzen des Mittelalters |
| |
|
|
|
|
Während im 8. bis 13. Jahrhundert Heilkräuter
in Klostergärten auf einer eher empirischen und wissenschaftlichen Basis angebaut und verwendet wurden, entwickelte
sich bei der mittelalterlichen Bevölkerung eine Art Volksmedizin, die geprägt von Tradition und Brauchtum viel Platz
für Aberglauben und Magie ließ. |
| |
|
|
|
|
 |
|
Missgeschicke und Unglücke wurden in dieser Zeit
auf die Tätigkeit böser Geister, Hexen oder das Wirken des Teufels zurückgeführt. Vor solchen Verwünschungen zu bewahren - vor
dem "Berufen werden" zu schützen, das versprachen Pflanzen wie das Berufkraut (Erigeron acris), der Aufrechte Ziest (Stachys recta) und das Eisenkraut (Verbena officinalis). Gegen Behexung halfen um den Hals
getragene Blätter und Wurzeln des Eisenkrautes. Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) als Wohnsitz der beschützenden
Hausgötter wurde oft in der Nähe von Stallungen, Speichern oder bäuerlichen Wohnhäusern angebaut.
Pflanzen mit markantem Geruch wie z.B. Knoblauch,
Bärlauch, Fenchel, Baldrian, Dost und Dill ließen bösen Zauber oder Verwünschungen erst gar nicht an sich herankommen. Die Knoblauchzehe bei
sich getragen oder über die Tür gehängt, war im Mittelalter eines der wichtigsten Mittel zur Abwehr des bösen Blickes. |
Stachys recta - Aufrechter Ziest |
|
|
|
|
Rituale mit Pflanzen hatten
bei der Bevölkerung einen hohen Stellwert. Bei Geburt, Hochzeit und nach dem Tod wurden mit
Räucherzeremonien Dämonen und Hexen vertrieben - oder einfach nur den Gestank der Luft. Die ätherischen Öle des Salbei (Salvia pratensis) hatten zusätzlich einen desinfizierenden Effekt in Sterbe- und Krankenzimmern.
Der Wacholder (Juniperus communis), einer der beliebtesten Räucherpflanzen
beim einfachen Volk wurde in den besseren Kreisen durch den Weihrauch ersetzt, der heute noch Bestandteil von Messen der katholischen Kirche ist. |
|
 |
| |
|
|
|
Salvia pratensis - Salbei |
In der Küche von Hexen und Magier wurden mit Pflanzen Zaubertränke gebraut und Salben als Zaubermittel
hergestellt. Meist Pflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse, deren hochgiftige Alkaloide bei entsprechender Dosierung halluzinogene Wirkungen hervorriefen - wie bei Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), Stechapfel (Datura stramonium) und Tollkirsche (Atropa belladonna). Selbst die Justiz nutzte im Mittelalter die
halluzinogene Wirkung von Salben mit Tollkirschextrakten, um Geständnisse in Hexenprozessen zu erzielen. |
|
 |
| |
|
|
|
Atropa belladonna - Tollkirsche |
In dieser von Aberglauben und Ritualen geprägten Zeit, ist es Hildegard
von Bingen (1098-1179) gelungen, das Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der Volksmedizin
zusammenzubringen. Der Einführung des Buchdruckes im Jahr 1450 und die Verbreitung von Heilpflanzenbücher schuf ein Umfeld, dass Zauberpflanzen, Aberglaube
und Magie auf esoterische Kreise zurückdrängte. Mit der Verbreitung des Wissens über die Heilkräuter büßte die Klosterheilkunde ihre damalige Vormachtsstellung
ein und verlor an Bedeutung. |
|
 |
| |
|
|
|
Datura stramonium - Stechapfel |
|